Max Seyfarth

Lehrer, Heimatforscher, Museumsverwalter

Ehrentitel Stadtarchivar seit 1930

 

Geboren 1881 in Oberroßla bei Apolda
Gestorben 30. November 1951 in Weida

Seyfarth_Max

Besuch des Lehrerseminars in Weimar
Erste Stelle als Schulamts-Kandidat in der Volksschule in Ballenstedt am Harz


1904-1909 Lehrer in Schwerborn
1909-1945 Lehrer in Weida
ab 1930 Oberlehrer
seit 1921  Kassierer und Sammlungsverwalter des Heimatmuseums in Weida schriftstellerische Arbeit an den Weidaer Geschichtsblättern und an den umfangreichen Heften der „Geschichte der Stadt Weida“
1921-1925 „Mitteilungen des Ortsgeschichtlichen Vereins“
1926-1939 „Geschichte der Stadt Weida in Einzeldarstellungen“ in sechs Bänden
Nach 1933 war die Arbeit des Ortsgeschichtlichen Vereins stark eingeschränkt.
Mitte 1930er Friedrich Pfeifer trat vom Vereinsvorsitz zurück und Max Seyfarth übernahm
1938 Max Seyfarth trat vom Vereinsvorsitz zurück
1945  In den letzten Kriegstagen fiel sein Schwiegersohn. Am 31. Mai verlor er seine Arbeit als Lehrer. Im Juni wurde Max Seyfarth von der sowjetischen Besatzungsmacht verhaftet und nach mehrtägiger Haft wieder frei gelassen. Er erhielt gering bezahlte Arbeit als Stadtarchivar (unter widrigen Bedingungen). Den Ehrentitel Stadtarchivar trug er bis zum
 Lebensende und blieb auch bis zuletzt Museumsverwalter. Seine Kraft setzte er für den Wiederaufbau des Museums und des zerschossenen dritten Kranzes des Weidaer Bergfrieds ein.
1951                    
Er starb am 30. November 1951 im Alter von 70 Jahren.

 

Sein Lebenswerk ist die umfangreiche Darstellung der Geschichte der Stadt Weida und Umgebung. Viele Veröffentlichungen und die große Zahl von Aktivitäten mit dem Ortsgeschichtlichen Verein und dem Weidaer Heimatmuseum stehen dafür.

 

Abb_M_Seyfarth_1 Abb_M_Seyfarth_2

 

Seyfarth, Max: Handschrift im Auftrag der Sowjetarmee zur Geschichte der Stadt Weida. Niederschrift um 1947.

Seyfarth, Max: Osterburg, Festmonat Juli 1949, Titel.

 

Handschriftliche Überlieferung des Stadtarchivars Max Seyfarth im Stadtarchiv Weida

...

gaben sie Feuer. Darauf schoß der Betrunkene mit Pistole nach seinen

Kameraden, was zu weiterer Schießerei Aanlaß gab, die damit endete,

daß ersterer erschossen wurde. Nun kam selbstverständlich ein e genaue

Untersuchung des Sachverhalts von seiten der russischen Vorgesetzten.

Es ist nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn ein Deutscher

geschossen hätte. [unleserlich von anderer Hand – Katyn? u. Lidice? u.a.]

                            Das Jahr 1946.

  Am 13. Februar wurde ich durch Telefon in das Heimatmuseum

gerufen. Ich solle sofort kommen, Russen warteten auf mich. Ach du

lieber Himmel! Wie sah das aus! Alles, was Spitze und Schärfe hatte,

war aus den Behältern herausgenommen und auf einen Haufen

geworfen worden. Man sah da die verschiedensten Spieße, die mit

Mühe zusammengebettelt worden waren, wie Federspieße, Knebel=

spieße, Roßreißer, Hellebarden. Auch alle alten Gewehre lagen da, wie

Steinschloßflinten aus der Zeit des 30jährigen Krieges u.a., viele, viele

verrostete Vorderlader, Säbel der verschiedensten Art, Jugendge=

wehre, selbst der Zierdegen des Herzogs Moritz Wilhelm von Sachsen Zeitz

war darunter. Alles, was an Krieg und Militär erinnerte,

selbst Schriften und Zeitungen, waren entfernt worden. Die

Sammlungen aus den beiden Weltkriegen waren nicht mehr.

Eben war man daran auch die heimatgeschichtliche Bücherei aus=

zuräumen, als ich hinzukam. Nur auf mein u[nd] des Weidaer

Polizisten und Schlosser (der die Behälter hatte öffnen müssen) Zureden

nahm man davon Abstand. Ein Lastauto voll von ge=

sammelten Gegenständen wurde fortgeschafft. Die Gegenstände

sollten nach Weimar kommen und dort wegen Gefährlich=

keit begutachtet werden. Eine jahrelange Arbeit meiner=

seits war zerstört.

Am 10. Februar war auf dem Markte ein großes Feuerwerk

Veranstaltet worden als Propaganda für die russischen Sowjetwahlen.

Ein Lautsprecher verkündete in russischer Sprache die Ergebnisse.

 

(Rückseite)

Ab u[nd] zu kommen vertriebene Volksgenossen aus dem Osten und

betteln um Lebensmittel. Heute, am 20. Februar, kamen z.B. zwei

Frauen und ein Mann, alles Leute, die bessere Tage gesehen hatten,

und verlangten Brot oder einige Kartoffeln. Es schnitt einem ins

Herz, denn wir hatten ja selbst fast nichts. Alle 10 Tage gab

es pro Person 4 Pfund Brot. Fleisch, Wurst, Fett gab es überhaupt

nicht. Wenn erst die wenigen Kartoffeln alle sind, was soll

dann werden?

[von anderer Hand – Über die Bodenreform!] ...