Gefängniszelle

  

Die Osterburg Weida – ein historischer Gerichts- und Gefängnisort
 

Wie viele Burganlagen diente die Osterburg auch zur sicheren Unterbringung Gefangener. Seit der frühen Neuzeit wurden hier kurze Festungshaften verbüßt. Zu längerer Haft verurteilte Strafgefangene überstellte man in andere Gefängnisbauten der Herrschaft.

Der Gefangene, über den das hochnotpeinliche Halsgericht das Todesurteil gefällt hatte, blieb bis zur Hinrichtung in seiner Zelle auf der Burg.

Zu Beginn hatten die Zellen mehr Ähnlichkeiten mit Verliesen oder kalten, stinkenden Kellerräumen. In den Stadtstatuten von 1483 ist für die Osterburg am Fuß des Turmes der sogenannte „Thumbsen“, das „Hundeloch“, als Dunkelgefängnis ausgewiesen.

Am 11. März 2011 wurde die letzte Gefängniszelle des vormaligen Untersuchungsgefängnisses auf der Osterburg Weida mit einer Festveranstaltung wieder eröffnet. Die Festrede hielt Prof. Dr. Gerhard Lingelbach, Professur für Bürgerliches Recht und Deutsche Staats- und Rechtsgeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. In einem spannenden Vortrag ging er auf die historischen Grundlagen unserer Rechtssprechung, die Problematik von geschichtlich verbürgten Methoden zur Wahrheitsfindung und auf mit der Todesstrafe im Zusammenhang stehende Vorstellungen ein. Das streng gläubige Mittelalter lebte das Gottesurteil, Wasser- und Feuerprobe waren hier begründet. Der Richter brach den Stab über demjenigen, der weltlichem Urteil verfallen und göttlicher Macht übergeben wurde. Zum äußeren Zeichen war der Oberkörper des Delinquenten zur Hinrichtung entblößt. Und weil dieses Urteil unabänderlich war, so waren besonders strikt Regeln einzuhalten und streng vorgeschriebene Formeln zu gebrauchen. Irrtümer sollten möglichst ausgeschlossen sein.

Das letzte Todesurteil des Criminalgerichtes auf der Osterburg fällte der Richter Karl Ernst Hickethier 1831 über den 30jährigen Doppelmörder Karl Wilhelm Oertel aus Möschlitz bei Schleiz. Am 19. Februar 1833 vollstreckte in Weida der Scharfrichter Christian Binder aus Eisenberg das Urteil mit dem Schwert. Nachrichter war Johann Ernst Oette, Leinewebermeister in Weida und Ehemann der Wilhelmine Caroline Oette, hier Besitzerin der Fallmeisterei ohne Privileg.

Hatte die Stadt damals auch kaum über 2.500 Einwohner, so kamen – den Berichten zufolge –  20.000 Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung in einem regelrechten Hinrichtungstourismus zur letzten Hinrichtung nach Weida.

Das Museum in der Osterburg würdigt mit seiner Neugestaltung der letzten Zelle Rechtsgeschichte am vormaligen Gerichtsstandort als bedeutenden Teil unserer Kultur.

In der Nüchternheit der Zelle trifft der Museumsbesucher auf die modellierte letzte Hinrichtung in Weida von 1833. Geweißte Wände, Holzpritsche und Halseisen sind in Ihrer Aussage eines bloßen Verschlußortes für Untersuchungsgefangene und zum Tode Verurteilte erweitert um die Gestaltung der vierten Wand mit historischem Abriß, Hinrichtungsszene und dem Schauspiel der Menschenmassen beim grausamen Ereignis. Im  Hörbeispiel erklingen die feststehenden Formeln des dabei abgehaltenen „Hochnothpeinlichen“ Halsgerichtes.

Die Präsentation von Gefängnisort und Criminalgericht, historischem Ereignis und überliefertem Regelwerk, am Geschehen Beteiligten und Schaulustigen in großer Überzahl – das zusammen soll im kulturellen Gedächtnis erhalten bleiben und zum Verstehen dieses besonderen Teiles unserer Geschichte beitragen. Ausgewählte schriftliche Zeugnisse zum Leben zu erwecken und gegenständlich werden zu lassen oder die monumentale Osterburg in Stein selbst zu erhalten sind Beiträge der Stadt Weida und unseres Museums zur bemerkenswerten Kulturgeschichte Thüringens.

 

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