Künstlerstammtisch

Er besteht aus mehreren Tischen solider älterer Bauart. Kunstschaffende,
Förderer und Freunde der Kunst rücken sie einmal
im Monat zusammen und auch selbst. Seit nunmehr zehn Jahren.
Unermüdlich von Anneliese Taute, einst »Burgfrau«, jetzt
noch der gute »Burggeist« im Moritzgewölbe, an die Fettnäppchen
gelockt. Bei reichlich kostenpflichtigem Bier, Wein, Wasser
und Brot. Auf der Osterburg in Weida, einem erhabenen
Ort.
Vor allem lauern jeden Monat die Künstler auf diese »Tafel«.
Da können sie sich ins rechte Licht rücken, wenn sie wollen.
Mittels ihrer Werke, ihrer Ansichten oder einiger gestifteter
Flaschen Wein. Vor dem Auditorium, im Gruppengespräch, im
Dialog. Mit angekündigtem Beitrag oder spontan. Sie reden
sich ernsthaft die Köpfe heiß und blödeln. Freude kommt auf
über gelungene Aktionen. Existenzielle Sorgen klingen an. Wut
kocht hoch über die Verhältnisse oder in Situationen persönlicher
Betroffenheit. Dabei entstehen Ideen, werden diskutiert,
weiterentwickelt oder verworfen. Auch die verworfensten bleiben
im Hinterkopf. Für irgendwann.
Die Idee zu dieser Tafelrunde entsprang dem Hinterkopf
Horst Sakulowskis: Ein Tag für Tag einsam Kunst Schaffender
sehnt sich nach Gedankenaustausch, wusste er und vermutete,
dass es anderen Eremiten der Zunft ebenso geht. Ergo etwas
tun gegen den drohenden Zerfall der Künstlergemeinde. Freudvolle
Erfahrungen sammelte er bereits durch Begegnungen in
seinem einstigen Atelier im stillgelegten Bahnhof Lederhose.
Ort und Ausgangspunkt eigenartiger bis exzessiver Veranstaltungen.
Weitflugwettbewerben mit papierenen Flugobjekten
über die toten Gleise, Begehungen mystisch skurriler Installationen
in den Kellern, Exkursionen zu einem wohltemperierten
Wasserklavier am Bach. Den darin gefundenen Sinn und den
daran gehabten Spaß mit mehr Köpfen zu vervielfachen, das
schwebte ihm vor. Auf der Osterburg. Das wäre es doch. Ein
magischer und hinreichend zentraler Ort.
Der Künstlerstammtisch Osterburg tagte erstmals im Februar
2000. Öffentlich. Im Balkensaal der Burg zeigte Rolf
Sakulowski seinen in den USA gedrehten Dokumentarfilm
über die Ausbildung beim FBI. Anregung zur Diskussion mit
dem Dokumentarfilmer über Film und ausgelöste Assoziationen.
Auch die internen Stammtische folgen diesem Muster:
Eine »kulturelle« Einstimmung regt den Gedankenaustausch
an. Oder auch nicht. Jeder kann danach darüber reden, keiner
muss. Jeder kann sich anregen lassen, keiner muss befürchten,
dass ihn andere auseinander nehmen. Jeder kann sich jederzeit
mit jedem zusammen- und auseinandersetzen, dessen Ansichten
ihm für sich von Wert scheinen. Jeder kann sich auch
ausschließlich dem Genuss von Bier und Fettbrot zuwenden
und still vor sich hin brüten.
Der kulturelle Prolog dauert eine halbe Stunde, manchmal
eine, und schreckt vor keinem Thema zurück. Selbstgeschöpfte
nostalgische Filme aus DDR-Zeiten, aktuelle Lichtbilder über
erlebte Reisen irgendwo in Afrika und anderswo, Videos über
Orte, »wo sich Erfahrungen und Hoffnungen begegnen«, der
Weg des Apostels Paulus, Exkursionen in ernste und heitere
Literatur zu Ehren gerade zu ehrender Dichter, musikalische
Werke, karnevalistische Seitensprünge und künstlerisch erhöhte
weihnachtliche Bescherung mit Wichtelpäckchen rufen
Spaß, Freude, Nachdenklichkeit, Unmut oder Zorn hervor, führen
zu neuen Ideen und ermuntern zu Taten.
Der Künstlerstammtisch veranstaltete, unterstützt durch
die Stadt Weida, einen »Hiob«-Abend in der Stadtkirche,
mehrere Konzerte mit neuer Musik und Vortragsabende im
Balkensaal, 23 Personalausstellungen von Stammtischkünstlern
in den Galerien der Osterburg, 14 Gemeinschaftsausstellungen
ebenda, in den Räumen der Weidaer AWG, auf Schloss
Kromsdorf, in Hermsdorf und Erfurt. Sie präsentierten sich
mit Werken auf der BUGA, regelmäßig bei SATHÜR, in der
Thüringenvertretung beim EU-Parlament in Brüssel und in
der Führungsakademie der Bundesagentur für Arbeit in Lauf.
Der Künstlerstammtisch Osterburg
Er besteht aus mehreren Tischen solider älterer Bauart. Kunstschaffende,
Förderer und Freunde der Kunst rücken sie einmal
im Monat zusammen und auch selbst. Seit nunmehr zehn Jahren.
Unermüdlich von Anneliese Taute, einst »Burgfrau«, jetzt
noch der gute »Burggeist« im Moritzgewölbe, an die Fettnäppchen
gelockt. Bei reichlich kostenpflichtigem Bier, Wein, Wasser
und Brot. Auf der Osterburg in Weida, einem erhabenen
Ort.
Vor allem lauern jeden Monat die Künstler auf diese »Tafel«.
Da können sie sich ins rechte Licht rücken, wenn sie wollen.
Mittels ihrer Werke, ihrer Ansichten oder einiger gestifteter
Flaschen Wein. Vor dem Auditorium, im Gruppengespräch, im
Dialog. Mit angekündigtem Beitrag oder spontan. Sie reden
sich ernsthaft die Köpfe heiß und blödeln. Freude kommt auf
über gelungene Aktionen. Existenzielle Sorgen klingen an. Wut
kocht hoch über die Verhältnisse oder in Situationen persönlicher
Betroffenheit. Dabei entstehen Ideen, werden diskutiert,
weiterentwickelt oder verworfen. Auch die verworfensten bleiben
im Hinterkopf. Für irgendwann.
Die Idee zu dieser Tafelrunde entsprang dem Hinterkopf
Horst Sakulowskis: Ein Tag für Tag einsam Kunst Schaffender
sehnt sich nach Gedankenaustausch, wusste er und vermutete,
dass es anderen Eremiten der Zunft ebenso geht. Ergo etwas
tun gegen den drohenden Zerfall der Künstlergemeinde. Freudvolle
Erfahrungen sammelte er bereits durch Begegnungen in
seinem einstigen Atelier im stillgelegten Bahnhof Lederhose.
Ort und Ausgangspunkt eigenartiger bis exzessiver Veranstaltungen.
Weitflugwettbewerben mit papierenen Flugobjekten
über die toten Gleise, Begehungen mystisch skurriler Installationen
in den Kellern, Exkursionen zu einem wohltemperierten
Wasserklavier am Bach. Den darin gefundenen Sinn und den
daran gehabten Spaß mit mehr Köpfen zu vervielfachen, das
schwebte ihm vor. Auf der Osterburg. Das wäre es doch. Ein
magischer und hinreichend zentraler Ort.
Sie inszenierten eine spektakuläre Flugschau mit »surrealen«
Flugobjekten nebst Schneider von Ulm auf dem imaginären
Hubschrauberlandeplatz im Burggelände. Dreizehn Künstler-
Innen statteten ein Wohnheim für geistig behinderte Mitbürger
in Hermsdorf mit 24 Kunstwerken aus. Neben dem zwischenmenschlichen
Anliegen mahnte diese Aktion die vorzeiten übliche
Förderung der »Kunst am Bau« an. Oder im Bau. Auch
als Beitrag zur Existenzsicherung für Künstler in der Region.
Es geht beim Künstlerstammtisch regional grenzenlos und
interdisziplinär zu. Die Künstler kommen aus Thüringen, aus
dem »nachbarschaftlich befeindeten« Sachsen, sogar aus Preußen.
Bildende Künstler, Komponisten, Schreiber, Filmemacher,
Schauspieler. Vom Professor über Mitglieder der Künstlerverbände,
Zirkelabsolventen und Autodidakten bis zum Laien.
Kunstpreisträger, Ehrendoktoren und Künstler »mit Familienlob
«. Sie schaffen konkret und abstrakt, eindrucksvoll, ausdrucksvoll,
manieristisch, altmeisterlich oder naiv. Mit sehr
differenziertem künstlerischen Anspruch, ernsthaft oder mit
Augenzwinkern, mit Akribie oder in Ekstase, aber jede und jeder
ein bisschen mehr oder weniger an seinem Bild der Welt,
am Bild seiner selbst. Für ein bisschen Unsterblichkeit.
Werden und Vergehen. Drei feine Künstler, gute Freunde
verließen unsere Runde für immer. Die Erinnerung an sie und
damit verbunden hin und wieder ein Gedanke an die Endlichkeit
des Seins mobilisiert, befördert die Kreativität und den
Genuss von Fettbroten.

Wilhelm Schaffer

Weida und die Osterburg
Nach der ersten urkundlichen Erwähnung der entstehenden
Siedlung Weida um 1122* errichteten Heinrich I. (der »Fromme
«) und Heinrich II. (der »Reiche«) als Vögte des Kaisers Barbarossa
(Friedrich I.) in der Zeit von 1163 bis 1193 das »Feste
Haus zu Weida«. Damit wurde Weida zur Wiege des Vogtlandes
mit den späteren Linien Gera, Greiz und Plauen. Von diesen
Vögten stammen die Fürsten Reuß ab, denen das Vogtland seine
vielfältige Kulturlandschaft verdankt.
Die Vogtei Weida existierte bis zu Anfang des 15. Jahrhunderts.
Das Sächsische, Böhmische, Bayerische und Thüringische
Vogtland bilden den westlichen Teil der Euregio-Egrensis
in Mitteleuropa.
Von Anfang an sind Entstehung und Wachstum der Ansiedlung
und späteren Stadt Weida und der Burg fest miteinander
verbunden.
Die Burganlage, welche die Stadt Weida markant überragt,
erhielt im weiteren Ausbau ihren heutigen Namen »Osterburg
« im 17. Jahrhundert. Dieses Wahrzeichen von Weida mit
dem charakteristischen dreistufigen Turm ist eines der bedeutendsten
historischen Sehenswürdigkeiten des Thüringer Vogtlandes.
Als Stätte der Begegnung von Bildung, Kunst und Wissenschaft
soll sich die Osterburg zum geistig-kulturellen Zentrum
der Region entwickeln. Der Künstlerstammtisch Osterburg leistet
dafür einen wichtigen Beitrag.

Dr. Robert Bankwitz
* 888 Jahre Ersterwähnung Weidas – dieses schöne runde Jubiläum fiel
nicht zuletzt den Mitgliedern des Künstlerstammtisches auf.

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